Betrifft Kinder

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Erfahrungen aus dem Kinderferienworkshop
»Suchen und Finden« an der Fachhochschule Potsdam (FHP)


Für unseren Kinderferienworkshop, der im Juli 2010 stattfand, bildete das Bilderbuch »Die Fundsache«1 des australischen Autors und Künstlers Shaun Tan die Grundlage. Zehn Kinder,  im Alter von sechs bis zwölf Jahren nahmen daran teil.


Bei der Konzipierung des Ferienworkshops interessierte uns, welche Handlungsstränge sich aus dem besagten zeitgenössischen Bilderbuch herausarbeiten lassen und wie ein lebendiger Zugang zum Buch geschaffen werden kann. Wir2 fragten uns, wie Kinder auf dieses literarisch-ästhetische Werk reagieren würden, wie sie das Gesehene mit ihren Erfahrungen in Verbindung setzen würden und wie das Bilderbuch nicht nur als Impulsgeber für den lustvollen Umgang mit Buch-, Schrift- und Sprachkultur im Sinne von Literacy-Erziehung3, sondern auch für experimentelle ästhetische Bildungsprozesse genutzt werden kann. Schließlich reizte die Arbeit mit dem Buch, da die Bilder auf den ersten Blick irritieren, weil sie mit Sehgewohnheiten brechen. Beim erwachsenen Leser löst dies oft Skepsis gegenüber zeitgenössischen Bilderbüchern aus, was sich meist auf die eigene unreflektierte Lesesozialisation zurückführen lässt.4 

 

Der Ablauf 

Wir skizzieren den Ablauf kurz und gehen anschließend auf einzelne Momente detaillierter ein. 

  • 1. und 2. Tag: Kennenlernen, Einstimmen auf das Thema unter
    Bezugnahme auf sprachliche und visuelle Bilderbuchelemente,
    Bücherbinden, Weg- und Schatzsuche in Potsdam;
  • 3. Tag: Kennenlernen des Bilderbuchs, Fundsachen suchen,
    Geschichten erzählen, schreiben und malen, Maschinen- oder Objektbau aus Fundsachen;
  • 4. Tag: Maschinen- oder Objektbau, Besuch im Fundbüro;
  • 5. Tag: Geschichten erzählen, schreiben und malen, Präsentation. 



Das Bilderbuch

Bereits das Vorsatzpapier des Buchs verweist auf die Sammelleidenschaft des Protagonisten, eines Jungen: 77 verschiedene Kronkorken, säuberlich in Reihen geordnet, werden präsentiert. Das Buch beginnt mit der Frage: »Eine Geschichte wollt ihr hören?« Anschließend erzählt der Junge, dass er ein großes, rotes, scheinbar aus Metall bestehendes, sich auf sechs Beinen fortbewegendes »Ding« fand und wie er die sich daraus ergebenden Herausforderungen bewältigte – eine Geschichte vom Suchen und Finden, von der Begegnung und Auseinandersetzung mit dem Fremden, der Suche nach Identität und Freundschaft. 

Tans Bilder sind von herausragender Vielschichtigkeit. Die Thematik des Suchens setzt sich in der Art und Weise, wie der Künstler Papiercollagen, Zeichnungen und Malerei zusammen fließen lässt, in den Bildern selbst fort. Fast auf allen Seiten bilden bräunlich-gelbe Bauanleitungen die Basis, die laut Tan5 aus Lehrbüchern seines Vaters stammen. Für uns eine ideale Überleitung zum Maschinenbau.
 

1 Tan, Shaun: Die Fundsache. Carlsen, Hamburg 2009
2 Wir sind Kathleen Rappolt, Mitarbeiterin im Familienteam an der Fachhochschule Potsdam, Annika Herzog und Patrick Weinz, Studierende des Studiengangs Bildung und Erziehung im Kindesalter an der FHP, die den Workshop als Praktikanten engagiert begleiteten. Berufstätigen Eltern sollte dies ein unterstützendes Betreuungsangebot für ihre Kinder sein. Die Vereinbarkeit von Studium bzw. Beruf und Familie ist an der Hochschule ein Thema, siehe auch: Die Hochschule als Ort für Kinder? In:  Betrifft KINDER, Heft 7-8/2009, S. 50ff. Die Arbeit des Familienteams ist Teil der alltäglichen Praxis. Konkret liegen die Aufgaben zum Beispiel  in der Planung und Durchführung von flexiblen Kinderbetreuungen sowie der Beratung von Hochschulangehörigen.
3 Vgl. Näger, Silvia: Literacy – Kinder entdecken Buch-, Erzähl- und Schriftkultur. Herder, Freiburg 2005
4 Vgl. Thiele, Jens: Das Bilderbuch. In: Thiele, Jens Steitz-Kallenbach, Jörg (Hrsg.): Handbuch Kinderliteratur. Grundwissen für Ausbildung und Praxis. Herder, Freiburg 2003, S. 70-98


Den vollständigen Beitrag können Sie in unserer Ausgabe Betrifft KINDER 10/10 lesen.


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