Betrifft Kinder

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Feste der Religionen und Kulturen: Erntefeste
 

Ein Jahr ist für Kitakinder eine unüberschaubar lange Zeit. Sowohl die Natur mit ihrem Wechsel der Jahreszeiten als auch die Kultur mit immer wiederkehrenden – meist religiös geprägten – Festen hilft ihnen, sich im Jahreskreis zu orientieren. In unserer Serie »Feste der Religionen und Kulturen« hat Kirsten Dietrich für uns zusammengestellt, wie religiöse Feste gefeiert werden und was davon Kindern im Kitaalltag erfahrbar gemacht werden kann. 


Seit es Menschen gibt, feiern sie Erntefeste. Der Anbau von Getreide und Ackerpflanzen brachte eine neue Sicherheit ins menschliche Leben, aber auch das Bewusstsein, wie gefährdet diese ist. Einmal Regen oder Hagel zur falschen Zeit und der Erfolg der Ernte ist dahin, egal, wie viel Arbeit man investiert hat. Deswegen lag die Bitte um göttlichen Beistand nahe und vor allem der Dank nach der Ernte, egal in welcher religiösen oder kulturellen Tradition. Erntefeste sind wohl die religiöse Tradition, die am unmittelbarsten einleuchtet und schon für die Kleinsten nachvollziehbar ist.






Zitronen, Erntekronen, süßer Reis

Feiert man im Judentum den Beginn der Weizenernte mit dem Fest Schawuot, so markiert das Laubhüttenfest Sukkot das Ende der Erntezeit mit der Weinlese.1 Selbstgebaute Hütten aus Laub und Zweigen erinnern an schattenspendende Unterstände auf dem Feld. Ein Strauß aus Myrten-, Weiden- und Palmzweigen sowie eine besondere Sorte Zitrone namens Etrog symbolisieren die Vielfalt kultivierbarer Pflanzen und auch die Vielfalt der Menschen – denn im Lauf der jüdischen Tradition sind die Erntefeste immer mehr religiös und theologisch überformt worden. 

Die christliche Kirche kennt Erntefeste seit dem dritten Jahrhundert. Im Laufe der Jahrhunderte wurden im europäischen Erntejahr verschiedene Abschnitte mit Heiligentagen markiert. Heute bleibt auch für Nichtchristen und Nichtbauern relevant der Johannistag am 24. Juni als offizielles Ende der Spargelsaison. 

Als Termin für den Erntedank hat sich der erste Sonntag im Oktober etabliert, auch wenn er nicht vorgeschrieben ist. Der Schmuck von Kirche und Altar mit geernteten Früchten, die nach dem Erntedank meist gespendet werden, ist wahrscheinlich eine der wenigen krisenfesten kirchlichen Traditionen. Oft wird einfach Geerntetes möglichst schön arrangiert, in manchen Gegenden darüber hinaus kunstvolle Erntekronen aus Getreide geflochten. Auch Erntedankfeiern in Kitas und Schulen sind immer noch wesentlich selbstverständlicher als zum Beispiel Weihnachts- oder gar Ostergottesdienste.

Die hinduistisch geprägte Kultur der Tamilen in Sri Lanka und Südindien feiert die Ernte mit dem Pongal-Fest2. Aus dem Palmzucker der neuen Ernte wird mit Reis und Milch ein süßer Brei gekocht. Der Brei soll überkochen – Symbol für Überfluss und Glück und Hoffnungen, die mit einer guten Ernte verbunden sind. 

Im Islam lässt sich kein eigenes religiöses Erntedankfest ausmachen. Zwar schreibt man manchmal dem Fest (oft Zuckerfest genannt) am Ende des Fastenmonats Ramadan diese Funktion zumindest im übertragenen Sinn zu. Aber da der Islam einem strikten Mondkalender folgt, alle Feiertage also durch das gesamte Kalenderjahr wandern, ist die Verknüpfung mit der jahreszeitlich gebundenen Ernte schwierig.






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Eine reichhaltige Fundgrube für Informationen, Lebensweisen, Bilder – mit Filmen, Musik und Geschichten und Märchen zum Hören auch schon für Kindergartenkinder. Ein Angebot unter Federführung des Bundesfamilienministeriums.



Kirsten Dietrich arbeitet als freie Journalistin in Berlin. Sie hat evangelische Theologie studiert und arbeitet als Autorin für ARD und Deutschlandradio zu Themen am Schnittpunkt von Religion, Gesellschaft und Kultur. Sie hat zwei Kinder, die gerade ins Schulalter hineinwachsen.
 

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1 Das Fest fällt in den September oder Oktober, je nach jüdischem Kalenderjahr.
2 Zu Beginn des tamilischen Monats Tai, Mitte Januar. Das nächste Pongal-Fest beginnt am 14. Januar 2018.

 



Den vollständigen Beitrag können Sie in unserer Ausgabe Betrifft KINDER 08-09/17 lesen.



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