Betrifft Kinder

  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size

Tipis, Unterstände und kleine Hütten – selbst konstruiert und gebaut

Es ist eine spannende und lohnende Aufgabe zugleich, Kinder mit natur-wissenschaftlichen Themen bekannt zu machen. In einer Reihe von Beiträgen stellt Herbert Österreicher dazu Themen vor, die innerhalb der betreffenden MINT-Disziplin von Bedeutung sind, sich aber auch besonders gut eignen, mit konkreten Beispielen das Interesse von Kindern auf die Sachverhalte zu lenken und sie zu eigenen, weiteren Aktivitäten anzuregen. 



Intuitives technisches Verständnis und Learning by doing

Dass Kinder – mit oder ohne Hilfe von Erwachsenen – gerne Behausungen aus Ästen und Zweigen bauen, ist auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches. Solche Bauten sind auch nicht selten und je nach verfügbarem Material gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Formen. Was die Qualität des Bauwerks betrifft, spielt auch eine große Rolle, wie viel Zeit den Kindern für ihr Werk zur Verfügung steht. In jedem Fall lohnt es aber, nach jenen Voraussetzungen und Aspekten zu fragen, die eine solche Konstruktion erst ermöglichen. Denn auch wenn der Bau einer Hütte aus Ästen und Zweigen vor allem ein anregendes Spiel ist, sind stets verschiedene und komplexe Anforderungen zu bewältigen: Das beginnt mit Überlegungen zu Platzierung, Größe und Form, wobei ganz nebenbei die Fähigkeit trainiert wird, mit Abständen (Distanzen) und Raumgrößen (Volumina) möglichst geschickt umzugehen.





Von zentraler Bedeutung ist die Frage der Materialwahl und -beschaffung. Und bereits mit dem ersten Ast, der angebracht wird, kommt eine Dimension ins Spiel, die sicherlich zum Schwierigsten zählt, womit Kinder sich hier befassen, nämlich die unbedingt zu erreichende Stabilität des Bauwerks (Statik). Gerade hier zeigt sich, wie sehr Kinder durch wiederholte Auseinandersetzung mit solchen Eigenbauten an Kompetenz und Sicherheit gewinnen. Auch ästhetische Gesichtspunkte und Wünsche bezüglich der Ausstattung sollten wir nicht vernachlässigen. Und da solche Bauten zudem fast immer von einer mehr oder weniger großen Gruppe von Kindern errichtet werden, geht es natürlich auch um Abstimmung und Zusammenarbeit, Meinungsverschiedenheiten und Einigungsprozesse. Alles in allem ein spannendes Geschehen, bei dem Kinder weit mehr lernen, als man zunächst meinen könnte. Insgesamt entsprechen Herangehensweise, Umsetzung und Ergebnisse in vielen Bereichen den Zielsetzungen von Ingenieurbiologie und Bionik, zwei wichtigen und miteinander eng verwandten naturwissenschaftlichen Disziplinen.


Das Experiment

Am Beginn jeden Bauvorhabens stehen Beratungs- und Planungsgespräche. So auch bei dem Projekt, das hier stellvertretend für andere ein wenig näher beschrieben wird. 

Als unsere »Baustelle« – ein den Kindern bereits bekannter Ort in einem Forst am Münchner Stadtrand – erreicht ist, wird das Vorhaben zunächst besprochen und diskutiert. Das führt zum Entschluss, dass wir kein völlig neues »Waldhaus« bauen wollen, sondern die Reste eines älteren und ziemlich heruntergekommenen Hauses nutzen, um an derselben Stelle eine neue, größere und stabilere Konstruktion zu errichten. Das bedeutet zunächst, die vorhandene Struktur zu prüfen und alle morschen Äste und Zweige zu entfernen. Während dessen machen sich andere Kinder bereits auf die Suche nach brauchbaren neuen Ästen. Zwar lässt sich Einiges im unmittelbaren Umfeld des Bauplatzes finden, aber schließlich suchen die Kinder auch im weiteren Umkreis – ein Glück, dass unsere Gruppe mit über zwanzig Kindern und ein paar Erwachsenen ziemlich groß ist ...

Da unser Bau – der Zahl der Kinder entsprechend – einen relativ großen Innenraum haben soll, ist vor allem die Dachkonstruktion nicht ganz einfach. Wir entscheiden uns für senkrechte Wände mit einem darüberliegenden Flachdach, weil eine solche Quaderform eine gute Raumnutzung ermöglicht. Außerdem haben wir genügend lange und starke Äste als Träger des Flachdachs, das später mit Fichtenzweigen fast blickdicht gemacht werden kann. Zuvor arbeiten die Kinder aber vor allem daran, die Wände dicht zu machen. Auch die Festlegung und Gestaltung der Eingänge braucht seine Zeit. 



Herbert Österreicher ist Diplom-Ingenieur und Magister artium. Er plant und gestaltet Außenanlagen und Gärten von Kindereinrichtungen. Darüber hinaus führt er Seminare und Exkursionen zu verschiedenen Bereichen der Umweltbildung durch und ist als Autor für Fachzeitschriften und Verlage tätig. 
Weitere Informationen finden Sie unter: www.kinderfreiland.de
 


Den vollständigen Beitrag können Sie in unserer Ausgabe Betrifft KINDER 10/17 lesen.



  Zurück zur Übersicht