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Start Zeitschrift Kinder in Europa KE 16/09 Frühkindliche Bildung in den ländlichen Regionen Polens

Frühkindliche Bildung in den ländlichen Regionen Polens


  Monika Rosciszewska-Wozniak schildert eine innovative Reaktion, um die Bedürfnisse einer bisher vernachlässigten Kindergruppe zu befriedigen

Das Programm heißt »Wo es keine Vorschulen gibt« (Where There Are No Preschools« – WTANP). Es wurde von der Comenius-Stiftung für die Entwicklung des Kindes entwickelt und ist eine Reaktion auf die zunehmende Ungleichheit in der Bereitstellung von Kindergartenplätzen in Polen. Polen hat die niedrigste Rate von Kita-Plätzen in der EU. Nur 38 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen besucht einen Kindergarten. In ländlichen Regionen ist diese Zahl noch niedriger, dort sind es nur noch 15 Prozent. 850 Gemeinden haben überhaupt keinen Kindergarten.

Das langfristige Ziel des WTANP-Programms ist, die Bildungschancen für die Drei- bis Fünfjährigen für alle Kinder zu verbessern, besonders in ländlichen Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit. Das Programm stützt sich auf Lektionen aus dem portugiesischen Programm für Wandererzieher und auf das System ländlicher Vorschulzentren, das zwischen den beiden Weltkriegen und in den 50er Jahren in Polen bestand. Im Rahmen des Programms haben die Gemeinden in Dörfern ohne Kindereinrichtungen sogenannte alternative Formen der Vorschulbildung oder Vorschulzentren eingerichtet. Diese Zentren befinden sich in Schulen, Bibliotheken oder anderen Einrichtungen der Gemeinden und beschäftigen gut ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher. Die Kinder besuchen die Einrichtungen drei oder vier Stunden pro Tag, an drei oder vier Tagen pro Woche. Eine Erzieherin arbeitet mit sieben bis 15 Kindern in einer Gruppe, Eltern unterstützen die Erzieherinnen in der Arbeit mit der Gruppe.

Die Pilotphase von WTANP begann im Jahr 2001. Gegenwärtig arbeitet die Comenius-Stiftung mit örtlichen Verwaltungen und NGOs zusammen, um einen hohen Standard in ihren 2000 Vorschulzentren sichern zu können. Mehr als 3000 Kinder besuchen diese Einrichtungen zurzeit. Um das WTANP-Programm zu unterstützen, wurden ein Ausbildungsprogramm für Erzieher und Eltern, ein Curriculum für Kinder, ein System von Qualitätsstandards, Bildungsmaterialien und ein Supervisionssystem für Erzieherinnen und Erzieher entwickelt.

Bis Januar 2008 waren öffentliche Kindergärten die einzigen Einrichtungen für die frühkindliche Bildung, die vom Gesetz erlaubt waren. Jetzt ist – infolge der Kampagne der Comenius-Stiftung – das Polnische Bildungsgesetz (Polish Education Act) geändert worden, um alternative Einrichtungen zu ermöglichen. Und die Entwicklung eines vielfältigen Angebots hat bereits begonnen.

Die Brieftaube 0der:
Der Anleitung der Kinder folgen
Pawel: Ich habe eine Taube gesehen, die sah so aus … (Er zeigt auf ein Shirt, auf das ein Vogel gedruckt ist.) Es war eine Brieftaube.
Erzieherin: Was ist eine Brieftaube?
Pawel: Na ja, die trägt Briefe aus.
Erzieherin: Woher weißt du, dass es eine Brieftaube war?
Pawel: Sie hatte diese Träger an den Beinen.
Erzieherin: Was für Träger?
Pawel: Wie hier auf dem Shirt.
Erzieherin: Woher hatte die Taube diese Träger?
Pawel: Von einer anderen Taube, die solche Bänder verteilt.
Erzieherin: Im Tausch gegen Briefe?
Pawel: Ja, so ist es.
Erzieherin: Woher bekommt die Taube diese Briefe?
Pawel: Vom Briefträger und aus dem Briefkasten … Aber ich hatte keine Bänder wie die hier auf dem Shirt, also hab ich keinen Brief bekommen.
Erzieherin: Woher bekommen wir solche Bänder?
Pawel: Na, von einem Shirt. Die Taube hält den Brief in ihrem Schnabel. Wenn sie zwei Briefe trägt, hält sie den einen im Schnabel und den anderen unter ihren Flügeln. So! (Pawel legt seine linke Hand unter die rechte Achselhöhle.)
Erzieherin: Woher weißt du das alles?
Pawel: Ich weiß es eben.
Erzieherin: Jemand muss dir das doch erzählt haben.
Pawel: Überhaupt nicht. Ich weiß es einfach. Eine Taube fliegt so hoch, dass niemand sie sehen kann. Wenn sie friert, steckt sie die Beine in einen Schornstein, denn im Winter friert sie und sie hat keinen Pelz an den Füßen.

Was sagen Sie dazu? Die Geschichte kommt von Iwona, einer Erzieherin an einer ländlichen Vorschule. Es ist nur eine von vielen Theorien, die wir erfreulicherweise in der Vorschule zu hören bekommen. Die Gedanken eines Kindes sind wie eine Brieftaube. Sie fliegen himmelhoch, sie sind frei und kennen keine Grenzen, aber sie wissen, wohin sie gehen. Ihr Ziel ist es, zu verstehen und der Welt einen Sinn zu geben.

Wofür sind wir als Erzieherinnen verantwortlich? Wir stehen vor den Kindern mit der Aufgabe, sie mit der Welt bekannt zu machen. Wir haben Erfahrungen und Fachwissen. Wir kennen die richtigen Methoden und wissen, wie man Kinder unterrichtet. Oder nicht? Unser Glaube, dass wir mehr wissen oder etwas besser wissen und dass wir klüger sind, kann ein Hindernis dabei sein, die Kinder zu verstehen. Kann uns daran hindern, mit ihnen in die Welt des Unbekannten zu fliegen. Und noch schlimmer: Wir können die Augen und den Verstand der Kinder vor der Welt verschließen, indem wir die Kinder zur Erde herunterziehen, das Lernen langweilig und mühsam machen – zu einer Serie von Klischees, die man sich merken muss.

Doch wenn wir eine gute Kommunikation mit den Kindern hinkriegen – so wie Iwona mit Pawel –, wenn wir es lernen, den Kindern zuzuhören, dann laden sie uns in ihre eigene Welt ein, nehmen uns mit auf eine aufregende Reise voller gemeinsamer Entdeckungen, Überraschungen und Erkundungen.
Unsere kleinen Vorschulzentren befinden sich alle in ländlichen Regionen, wo es keine öffentlichen Kindergärten gibt. Sie sind geschlossen worden oder es haben dort nie welche existiert.

Wir haben nach Wegen gesucht, auch die Kinder aus ländlichen Gebieten in die Lage zu versetzen, ihr Potential auszuschöpfen. Wir ließen uns von Ergebnissen der Forschung anregen und von unserer Intuition leiten und so haben wir begonnen, den Schwerpunkt unserer Arbeit auf die gute Kommunikation mit den Kindern und gute Beziehungen zu ihnen zu legen. Wir haben die Erzieherinnen gelehrt, dass der richtige Weg zur Kommunikation mit Kindern darin besteht, ihnen Respekt und Freundlichkeit zu erweisen.

Den vollständigen Beitrag können Sie in unserer Ausgabe KINDER in Europa 16/09 lesen.



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