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Warum wir Fotos lieber selber machen
Fotografien gehören mittlerweile zum pädagogischen Alltag in der Kita. Sie dokumentieren Bildungsprozesse, machen Entwicklung sichtbar und sind ein wichtiger Bestandteil der Portfolios der Kinder. Gute Fotos entstehen nicht durch eine hochwertige Kamera, sondern durch die Haltung der Fachkraft, weiß die Kitaleitung Anika Talhoff. Sie beobachtet zudem, dass Kinder anders fotografieren als Erwachsene und kann sich vorstellen, dass der Abschied von der traditionellen Kita-Fotografie ein wichtiger Schritt hin zu einer kindgerechteren Praxis sein könnte.
Immer wieder kommen Eltern auf uns zu, die sich eine professionelle Kita-Fotografie wünschen. Sie wünschen sich eine Erinnerung an die Kindergartenzeit ihres Kindes. Es brauchte einige Jahre, bis ich mein Unbehagen damit verstand. Wollen Eltern wirklich ein Foto, auf dem man sieht, wie ein Kind aussieht – selbstverständlich, nachdem es eigens für den Fototermin hübsch herausgeputzt wurde? Oder steckt darin auch ein Wunsch nach mehr Transparenz über den Alltag ihrer Kinder?
Echte Momente
Im Alltag unserer Kitas entstehen täglich Bilder. Wir fotografieren Kinder nicht in inszenierten, künstlichen Situationen, sondern in ganz authentischen Momenten. Wenn sie konzentriert ein Bauwerk vollenden. Wenn sie gemeinsam mit einem Freund oder einer Freundin einen Käfer beobachten. Wenn sie stolz ihre erste Schleife gebunden haben. Wenn sie ihre ersten Erfahrungen mit einem Musikinstrument machen … All diese Bilder erzählen Geschichten. Sie zeigen Entwicklung. Und so sieht es auch unser Bildungsauftrag vor. Wir erstellen Dokumentationen und halten die Entwicklung der Kinder fest. In Bildern. In Bildern vom Kind. Hier liegt für mich der große Unterschied beim »Bild vom Kind«: Ein »professionelles« Foto zeigt, wie das Kind aussieht, unsere »Alltagsfotos« zeigen, wer das Kind wirklich ist.
Lächle doch mal
Gerade in den unbeobachteten Augenblicken liegt die größte Aussagekraft. Wahrscheinlich haben wir alle schon erlebt, wie magische Momente durch Zurufe wie »schau mal her!« oder gar »lächle doch mal!« im Nu zerstört werden und aus einem konzentrierten Kind innerhalb weniger Sekunden ein posierendes Kind wird. Der eigentliche Bildungsprozess, den wir dokumentieren wollten, ist in diesem Moment bereits unterbrochen. Wenn Kinder hochkonzentriert in ihr Tun vertieft sind, zeigen sie Kompetenzen, Interessen und Beziehungen, die sich nicht inszenieren lassen. Diese Momente verdienen vor allem unsere Aufmerksamkeit und manchmal auch die Kamera. Gleichzeitig wirft das Vorgehen Fragen auf. Nämlich dann, wenn wir Partizipation ernst nehmen und nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder um eine Fotoerlaubnis bitten.



